Gerhard Tersteegen (1697-1769)
Gerhard Tersteegen  (1697-1769)

BAND I  - Lebensbeschreibungen - Vorworte

Nachstehend die Vorworte zu den Lebensbeschreibungen von :

 

Armelle
Elisabeth Baillou,

Gertrud von Sachsen,

Gregorius Lopes,

Markgraf von Renty,

Maria Guyard.

 

 

Armelle Nicolas    (die gute Armelle) 1606 - 1671

Armelle ist am 16. Sept. 1606 im Kirchspiel Campeneac, nahe der Stadt Ploermel in der Bretagne geboren. Ihre Eltern, Georg Nicolas und Francoise Neant, waren einfache Ackersleute.  Der Geist  trieb Lopes in die Wüsten, und eben derselbe Geist trieb die gute Armelle aus den Wüsten eines stillen Klosters. Diese unwissende Bäuerin und arme Dienstmagd soll uns nun mit ihrem Exempel lehren, dass es durch göttliche Gnade wohl möglich sei, mitten unter dem Getümmel der Menschen und unter den Lasten einer schweren Haushaltung, eben das zu tun, was jener in der Einsamkeit getan hat, Gott zu lieben unverrückt und mit vollkommenem Herzen.

            Eine fromme Ursulinen Klosterjungfer zu Vennes, Jeanne de la Nativite, war mit unserer Armelle genau bekannt. Der gemeinsame Umgang, den sie miteinander hatten, machte, dass Armelle in Gegenwart dieser Freundin manchmal ihren inneren Flammen Raum gab, und die Wunder der göttlichen Liebe, welche in ihrem Herzen vorgingen, einfältig erzählte. Es waren schon mehrere Jahre solchen Umgangs vergangen, als genannte Jungfer eine schmerzliche Empfindung darüber bekam, dass so große Gnaden sollten mit der Armelle ins Grab der Vergessenheit begraben werden, und fing darauf im Namen Gottes an, das Leben der Armelle aufzusetzen. Als sie aber 9 oder 10 Kapitel davon geschrieben hatte, geriet sie in einen Zweifel, ob nicht etwas ihr Gedächtnis bisweilen fehlen mögte, ihr die Sachen nach allen Umständen der Wahrheit anzugeben. Sie getraute sich gleichwohl nicht, die Armelle so genau auszufragen, aus Angst, sie möge ihr Vorhaben bemerken, und hernach ablassen, mit gewöhnlicher Vertraulichkeit mit ihr zu reden. „Da ich nun in dieser Furcht war“, (so beschrieb diese Jungfer den Ausgang der Sache) „und nicht wusste, wie ich eigentlich hinter die Wahrheit kommen mögte, so gefiel es dem Herrn, dass er sie eben zu der Zeit in ein ganz Göttliches und übernatürliches Leben einführte, und sich ihrer Seele mit so wunderbaren und überfließenden Eingüssen mitteilte, dass sie nicht wusste , wie sie Ihm genug dafür danken sollte; bekam demnach einen starken Trieb, dass sie auch andern bekannt werden mögten, usw. Darauf fragte ich sie, ob sie dann wohl zufrieden wäre, wenn man solches aufzeichnete. Ja, antwortete sie mir mit einer großen Brünstigkeit, und ich wollte, dass es mit meinem eigenen Blut geschähe, ja, dass alles Blut, so ich in meinen Adern habe, und alle Gebeine meines Leibes, so viel Zungen und Stimmen wären, vor Engeln und Menschen die Überschwänglichkeit der Güte und Barmherzigkeit meines Gottes gegen seine nichtswürdige Natur, zu bezeugen, damit sie mir helfen mögten,  Ihn zu lieben, zu loben, und Ihm in alle Ewigkeit zu danken“. Hernach fügte sie noch hinzu:“ O wie werde ich so vergnügt sterben, und welche eine Freude wird es mir sein, wenn ich wissen werde, dass in Ansehung meiner, meine Liebe und mein Alles noch könnte geliebet und geehrt werden!“

            „Als ich sie solchen Sinnes zu sein sah, trug ich weiter keine Bedenken, ihr zu melden, dass ihr Verlangen schon zum Teil erfüllt wäre; und hierauf las ich ihr das, was ich geschrieben hatte, vor. Von der Zeit an, habe ich ihr die Kapitel, so wie ich sie geschrieben, allezeit vorgelesen, um nichts zu schreiben, was nicht in allen Stücken der Wahrheit gemäß wäre; und sie war hierin so sorgfältig, dass sie es mir alsbald sagte, wo ich auch nur das geringste anders geschrieben hatte, als sie es erfahren. Aber durch die Gnade Gottes, hat solches nicht oft geschehen dürfen; denn mein Schreiben war der Wahrheit so gemäß, dass sie sich selbst darüber wunderte, und sagte, wenn sie selbst den Zustand ihrer Seelen hätte beschreiben können, würde sie es nicht deutlicher und wahrhaftiger zu tun vermocht haben.“ Sehet den Ursprung dieser Lebensbeschreibung, und zugleich den unwidersprechlichen Beweis  von der unverfälschten Wahrheit ihres Inhalts.

            Wollte jemand das Verfahren der Armelle hierin missbilligen, der erwäge den Zustand, in welchem diese glückselige Kreatur zu der Zeit war, vernichtiget in ihr selbst, verloren in Gott.  Er erwog die Exempel vieler voriger Heiligen, eines Davids, eines Pauli, einer Gertrudis, einer Angela von Foligni, u.v.m. welche, durch Gottes Geist getrieben, die hohen Gnaden, ihnen von Gott erwiesen, schriftlich nachgelassen zu haben .

            Zweimal ist dieses Leben, unter dem Titel „Triumph der göttlichen Liebe“ zu Paris gedruckt worden, aber nicht ohne Fehler. Der Herr Poiret hat es aufs neue in diesen Landen bekannt gemacht, durch eine saubere Herausgabe, welche zu  Amsterdam 1704 herausgekommen, und hat ihr diesen Titel gegeben: „ Die Schule der reinen Liebe Gottes“, weil er glaubte, dieser Titel würde dienlicher sein, ein Verlangen zur Lesung des Buches zu erwecken; hat auch zu dem Ende, in einer erbaulichen Vorrede, alle seine Mitgelehrten zur Schule gerufen, zu dieser armen Bauernmagd, die weder lesen noch schreiben konnte. Es steht zu befürchten, dass sich wenige dergleichen Schüler werden eingefunden haben. Die großen Meister in Israel werden so leicht keine Kinder. Inzwischen muss dieses Buch in unserem Deutschland doch Liebhaber gefunden haben, indem die deutsche Übersetzung schon dreimal, nämlich 1708, 1719 und neulich 1731 aufgelegt worden ist.

            Der einzelne Bogen, den man vom täglichen Wandel der Armelle mehrmals  wieder aufgelegt hat, wollte manchem, nicht ohne Ursache, zu kurz fallen; wie hingegen andere über die Weitläufigkeit des ganzen Buches sich beschwert haben. Bei gegenwärtigem Auszug hat man unter beiden das Mittel gehalten. Der tägliche Wandel dieser gottliebenden Seele ist hier im 17. Und 18. Kapitel viel ausführlicher als in jenem Bogen zu finden; da zudem nicht nur ihr äußeres Leben und Sterben, sondern auch vornehmlich die Führung Gottes  über ihre Seele, und die aufeinander folgenden wunderbaren Wirkungen seiner Liebe in derselben in diesem Auszuge angeführt werden.

            Die bewährten Zeugnisse von der Heiligkeit dieser Person, und von der Wahrheit dieser Geschichte, stehen bei den Ausgaben der vollständigen Lebensbeschreibung in großer Menge vorgedruckt, und können dort nachgelesen werden. Der bekannte Rigoleve nennt  unsere Armelle eine Kohle des Heiligtums; der berühmte Guiloré nennt sie ein lebendiges Schauspiel und Marterbild der Liebe; Vencent Huby, ihr Führer, schreibt: „ Ich habe das Glück gehabt, diese vortreffliche Seele an die 30 Jahre zu kennen, und ihr zu dienen; sie war in Wahrheit ein Seraphim auf Erden usw.“

            „Menschliebender Gott, Gott der einfältigen Seelen, Gott der heiligen Armelle, berühre unsere eiskalten Herzen mit dieser Kohle des Heiligtums, damit wir endlich einmal mit Nachdruck erkennen, und nicht vergessen, dass Dich liebhaben besser sei denn alles Wissen. Verleide uns die magere Heide der Vernunfts-Geschäftigkeit, auf dass wir Dir, mit dieser Deiner Dienstmagd, folgen mögen in dem einfältigen und geraden Wege des Herzens und der Liebe, und in uns erfüllt werde das Wort deines Mundes: Wer mich liebt, der wird mein Wort halten; und mein Vater wird ihn lieben, und wir werden zu ihm kommen, und Wohnung bei ihm machen (Joh. 14,23).

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Elisabeth Baillou   o. Elisabeth vom Kinde Jesu  ( 1613- 1677)

Elisabeth ist  am 22. Juli 1613  in Paris geboren. Ihre Eltern waren Claudius Baillou und Dionysia Picard und galten als fromm und wohl begütert.

Eben dasselbe wirksame und beschauliche Leben, welches der Markgraf von Renty am Hofe und unter dem Getümmel der Menschen führte, das hat diese heilige Seele geübt in der Einsamkeit eines Klosters. Denn wie Gott einem jeglichen ausgeteilt hat, und wie der Herr einen jeglichen berufen hat, also soll er wandeln, und wie er berufen ist bei Gott bleiben (1.Kor. 7,17.24).  Vom Klosterleben ist im Vorwort des Buches  schon einiges erwähnt worden. Sehen wir tiefer auf den eigentlichen Grund und Absicht derjenigen , gottsuchenden Seelen, welche das Klosterleben gebührend antreten, so kann kein verständiger Mensch leugnen, es sei solchen Personen darum zu tun, dass sie in völliger Verleugnung aller vergänglichen und betrüglichen Schätze, Ehren und Vergnügungen dieser Welt ihre Zeit, Kraft und Andacht gern allein wenden wollen auf die ewigen Dinge und auf das Heil ihrer unsterblichen Seelen. Zu dem Ende entschlagen sie sich aller Bande, Lasten und Sorgen der Dinge dieses Lebens, opfern sich dem Herrn Jesu und seinem Dienst ganz auf, um hinfort nur zu sorgen, wie sie dem Herrn , ihrem wahren Bräutigam gefallen, und heilig sein mögen am Leibe und auch im Geiste. Dass nun dieser Sinn und innere Beschaffenheit ihres Gemüts Gott sehr gefällig sein müsse, und dass Gott dieses ganze Opfer annehmen und genehm halten, ja, was sonst etwa verleugnet wird, mit geistlichem Segen in himmlischen Gütern, hundertfältig ersetzen werde, wer wollte daran zweifeln? Es gibt davon nicht  zu leugnende Beispiele, wovon das Leben der Elisabeth vom Kinde  Jesu eines ist.

            Anfangs ist diese Lebensbeschreibung in französischer Sprache  in Paris im Jahre 1680 durch Dominikanerschwestern herausgegeben worden, in deren Haus diese heilige Seele gelebt und kurz vorher gestorben war. Allein, sie selbst, die Elisabeth, ist durch Regierung des Geistes mehr die Autorin dieses Werkleins gewesen, als diejenigen Personen, welche es zusammen getragen haben. Denn es besteht nicht in einer dürren und ungewissen Erzählung, sondern der größte und wichtigste Teil desselben, sind saftige  Zeugnisse  ihrer eigenen Hand, worin sie an den Tag legt die Lichter der Erfahrungen, so ihr von Gott mitgeteilt worden, und die die Ausgeber fast nur in füglicher Ordnung zusammen gehängt und mit einigen äußeren Umständen ihres Wandels, von dem sie Augenzeugen gewesen, ergänzt  haben.

            Von diesen ihren eigenhändigen Nachrichten der Führungen Gottes über sie, welche sie auf ausdrücklichen Befehl ihres Seelenführers aufgesetzt, würde man ein mehreres mitteilen können, wenn nicht diese demütige Seele, kurz vor ihrem Abschied, alles was sie von dergleichen Schriften finden können, verbrannt hätte aus heiliger Sorge, es könnten die Lichter und Gnaden, deren Gott die ganze Zeit ihres Lebens so reichlich teilhaftig gemacht, nach ihrem Tod bekannt gemacht werden. Daher wollen wir billig diese wenigen, vom Feuer erretteten Übrigen umso sorgfältiger bewahren.

            Es ist diese Person und ihre Lebensbeschreibung ohne Zweifel genügend bestätigt und gelobt, wenn wir sagen, dass der bekannte fromme Pater St. Jurius, der Markgraf von Renty und der Liebe Bernières, ihre vertrauten Seelenfreunde und Seelenführer waren, und dass in dieser Lebenshistorie dieser bewährten Männer Lichter, und verschiedene Stücke ihrer sonst nicht gedruckten Briefe, hin und wieder zu finden gewesen sind. Der Herr Poiret nennt dies Leben ganz gründlich innig und urteilte, es sei in keinem Stück geringer zu achten, als das Leben des Markgrafen von Renty, mit welchem  Urteil man billig übereinstimmen muss.

            Eben dieser Mann (Poiret) hat dieses Werklein im Jahr 1702 in Amsterdam nach erstbenannter Pariser Edition drucken lassen, und dem Leben des Mr. Renty, als zweiten Teil beigefügt und verschiedenes verbessert. Dieser letzten Ausgabe hat man sich bei diesem Auszug und Übersetzung bedient, und (wie bei den übrigen Stücken) meistens auf die innere Führung Gottes über diese Seele geachtet, und ihre eigenen  Zeugnisse davon am liebsten  beibehalten. Sehen wir dieselben  mit ungetrübten Augen an, so müssen wir ja gestehen, dass sie ganz gründlich und gesalbt sind, und ein recht  tapferer, evangelischer und lauterer Geist in dieser heiligen Tochter gewohnt hat.

            Weil die Elisabeth vom Kinde Jesu bis zu ihrem Tod eine besondere Andacht zu dem Geheimnis der Kindheit  Jesu hatte  (wie sogar ihr Name anzeigt), so haben die Herausgeber ihrer Lebensbeschreibung dieselbe diesem göttlichen Kinde widmen wollen. Wir begehren denn ein gleiches zu tun, und schließen mit dem Schluss jener Widmung: „Dir, o allerheiligstes Kindlein Jesu, opfern wir auf, was wir noch von dieser Seele übrig haben. Nimm an diese billige und untertänigste Pflichtabstattung, die wir mit möglichster Ehrerbietung vor dir verrichten. Und weil du unsere Herzen bewogen, dieses Leben deiner treuen Dienerin ans Licht zu geben, so verleihe, dass alle diejenigen, welche es lesen, so in deiner Liebe entzündet werden, dass sie dich ewiglich lieben und verherrlichen! Amen.“

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Gertrud von Sachsen

Die heilige Gertrud stammte aus dem Geschlecht der Grafen von Hackeborn. Gestorben ist sie im November des Jahres 1330.

Lasst uns mit der Beschauung der Führungen Gottes in seinen Heiligen aus den weit entlegensten Abendländern, einmal zurück kommen in unser Deutsches Vaterland. Denn der Heiland hat seine Erkauften aus jedem Stamm, Sprache, Volk und Geschlecht, die er Gott zu Königen und Priestern macht. Schwerlich ist ein Land, oder Stand, oder eine Zeit zu finden, worin dieses ewige Gut und Lebenslicht nicht ein oder mehrere Zeugen der Wahrheit und ausleuchtende Vorbilder, den Menschen dargestellt, um sie zu Seiner seligen Gemeinschaft aufzufordern und anzulocken.

            Wir  Deutschen müssen gewiss  die Hand auf den Mund  legen und den Herrn rechtfertigen, der uns manche Heilige, auf mehr als einerlei Weise  gegeben hat, obwohl sie jederzeit bei den wenigsten als solche erkannt und angenommen worden sind. Das gegenwärtige Beispiel dieser heiligen Seele, kann uns davon überzeugen, dass Gott schon von alters her über unser liebes Deutschland seine Hand in Gnaden ausgestreckt hat, und sogar in den dunkelsten Zeiten dasselbe, vor anderen Ländern, mit einigen Lichtblicken hat besuchen wollen. Ja er hat es getan, und er tut es noch in diesen unseren Tagen. Mögen wir nur wandeln, weil wir das Licht haben, ehe uns die (durch Sünde und Undankbarkeit verschuldete) Finsternis, seiner geist- und leiblichen Gerichte überfiele. Denn wer weiß, um welcher Ursache willen es durch Göttliches Verhängnis geschehen sei, dass im Jahr 1342, zwölf Jahre nach dem Heimgang dieser Heiligen Gertrud, das Kloster, worin sie gewohnet, beim damaligen Krieg aufs grausamste verwüstet, verbrannt und sonst jämmerlich in ihm gehauset worden ist. Einmal, es mag uns allen zum Nachdenken und Warnung hier erinnert sein.

            Das Leben und die Offenbarungen dieser Seele sind teils von ihr selbst in Lateinischer Sprache, teils von einer vertrauten Freundin, und zwar aus dem Munde der heiligen Gertrud auf Befehl Gottes und der Oberin (wie dabei steht) aufgesetzt worden. Sie wurden oft gedruckt, z.B. Deutsch in Leipzig 1505, und in Köln 1657 und 1674. Ferner Lateinisch unter dem Titel, Infinuationes Divinae pietatis, sowohl in Köln 1579 und 1588, als auch in Salzburg 1662 und Paris, ebenfalls 1662, usw. Die zuletzt erwähnte lateinische Edition zu Paris ist genauer als die vorherige, und man hat sich derselben auch bei diesem kurzen Auszug bedient.

            Noch zu Lebzeiten der Gertrud sind diese Schriften von vielen bewährten, und der heiligen Jungfrau bekannten Männern geprüft und bestätigt worden, wie Lanspergius es namentlich bestätigt, und unter denen ein gewisser Magister, Namens Gottfried Rex durch die Reden der Gertrud kräftig bekehrt worden ist. Das Urteil eines anderen gelehrten Mannes, welches er, nach fleißiger und genauer Lesung dieser Bücher  geschrieben, lautet herrlich: „ Ich halte dafür, dass kein von Gottes Geist Erleuchteter, diejenigen Dinge, die in diesem Buch geschrieben sind, weder verlästern noch bestreiten kann, denn es sind heilige Sachen.“ Der fromme Ludevig Blosius setzt dazu: „Hieraus ist offenbar, wie fern diejenigen noch sind vom Geiste Gottes, welche diese Göttlichen Offenbarungen als Weiberträume verwerfen und verlachen, Gott verzeihe ihnen diese Sünde! „ Nachdem aber diese Person in der Römischen Kirche öffentlich  als eine Heilige erklärt worden ist, so ist unnötig, von ihr weitere Zeugnisse anzuführen. Unter den Protestanten sind diese Sachen meist unbekannt. Inzwischen aber haben sie es genugsam gelobt, als die das Urteil des Herrn Poiret gelten lassen, da der die Person  erleuchtet,  engelgleich , herzlich, ihr Leben aber göttlich genannt hat.

Übrigens verdient die Schutzschrift, welche der bekannte und fromme Lanspergius diesen Büchern voransetzen ließ, in welchen er die gemeinsten Einwürfe widerlegt hat, gelesen zu werden. In dieser gibt er besonders denjenigen, welche die Offenbarungen einen Ekel nennen, weislich zu bedenken:“ dass ja auch die heiligen Schriften voller Offenbarungen sind, und müsste einem deswegen der Name von Offenbarungen so fremd nicht sein, es wäre denn, dass man lieber unter diejenigen gezählt werden will, welchen der Vater seine Geheimnisse verborgen, nämlich unter die Weisen und Klugen dieser Welt, als unter die Unmündigen, denen er diese Dinge offenbart hat. Aber wahrlich, ich fürchte, dass wenige dergleichen Unmündige in diesen Tagen sein werden“.

            Dass bei solchen Sachen Vorsicht und Prüfung der Geister nötig sei, dass aus außerordentlichen Gaben kein unfehlbarer Schluss von Heiligkeit einer Person folge, sondern vielmehr aus der Heiligkeit der Person, von der Richtigkeit der Offenbarungen zu schließen sei, dass man auch weder dergleichen, noch einige andere außerordentliche Dinge begehren müsse, solches gesteht man ein, und ist von allen erleuchteten Seelen gewarnt worden. Allein, wer will dessen ungeachtet desHöchsten  Hände binden, dass Er nicht, zur Offenbarung seiner mannigfaltigen Weisheit und Menschenfreundlichkeit, sich auf alle Weise zu seinen abgewichenen Geschöpfen herunter lasse, damit ein jeder nach seiner Fähigkeit und Art gezogen, unterwiesen und zur Gemeinschaft mit Gott hingeführt werden möge. Zudem, so darf so viel weniger einiger Skrupel stattfinden, da sie von keinen zukünftigen oder zweifelhaften Dingen handeln, sondern von solchen Sachen, welche Gott verherrlichend, den Menschen heilsam und demnach aller Annehmung wert sind.

            Es wird merkwürdig erzählt, auf welche Weise die heil. Gertrud zur Bekanntmachung ihrer Bücher genötigt worden ist. Als es ihr angedeutet worden ist, es sei der Wille Gottes, dass diese Schriften den Menschen bekannt würden, und sie sich auch so kräftig im Geiste dazu angetrieben fühlte, da habe sie sich gewundert, und in ihrem Gemüte gedacht, wozu solches doch nutzen könnte? Denn sie hatte sich stets vorgenommen, bei ihrem Leben keine Schriften bekannt zu machen, und nach ihrem Tode könnten auch die Gemüter nur dadurch verwirrt werden, weil sie wohl wusste, dass manche nicht alleine keine Erbauung daraus schöpfen, sondern es gar gering achten und verlästern würden. Da sei ihr von Gott geantwortet worden: Was meinst du denn, es nutze was man liest, dass ich den Apostel Johannes besucht und mit ihm geredet habe, als nur, dass dadurch die Andacht derer, die es hören, vermehret, und meine Liebe zum menschlichen Geschlecht offenbart wurde; also kann ja auch die Andacht in einigen entzündet werden, und ihr Leben bessern. Ebenso kann ja auch die Andacht in einigen entzündet werden, wenn sie das lesen, was du von mir empfangen hast, dass sie auch danach begierig werden, und ihr Leben bessern. Ich habe dergestalt meine Gnade in dich gelegt, dass ich viel Frucht davon fordern werde. Wollen aber einige aus boshaften Herzen diese Dinge verlästern, deren Sünde sei über ihrem Haupte, du aber wirst unschuldig bleiben.

            Es steht einem jeden frei, diese Sachen entweder mit  einfältigen Kinderaugen anzusehen. So hat er seinen Nutzen, dass seine Seele genährt, und Gott gepriesen werde -oder aber mit einem argen ungläubigen Herzen, und davon bekommt er aufs wenigste keinen Nutzen, noch Gott einige Ehre, denn wie jener Kirchenlehrer spricht: Die Gläubigen finden allezeit  etwas, woran sie zweifeln könnten, und die Ungläubigen etwas, das sie glauben könnten. Deshalb wird mit Recht den Gläubigen für ihren Glauben die Krone, und den Ungläubigen für Ihren Unglauben das Gericht gegeben.

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Gregorius Lopes   Vorbericht  v. Gerhard Tersteegen

Gregorius Lopes ist am 4. Juli 1542 in Madrid geboren. Diese folgende Lebensbeschreibung ist anfangs beschrieben durch Franziskus Losa, gewesenen Pfarrer in der Hauptkirche zu Mexico in West-Indien, welcher 18 Jahre lang mit dem Gregorius Lopes vertraulich umgegangen, und nachdem er sein Amt  niedergelegt, bis ins siebte Jahr in einem Hause mit demselben zu S.Fé (zwei Meilen von Mexico) gewohnt hat. Nachher ist dieses Leben durch einen anderen sehr vertrauten Freund des Lopes, den Johannes v. St. Jacob, vermehret, und in spanischer Sprache 1658 in Madrid gedruckt worden. Aus demselben hat es in Französischer Sprache der berühmte Arnold d´Andilli, erstmals in Paris 1673, und bald darauf unter seinen „Oeuvres diverses 1675. Nach dieser Edition hat es der Herr Poiret im Jahr 1717 in Amsterdam wieder auflegen lassen, und mit einer erbaulichen Vorrede versehen, unter dem Titel: Le Saint solitaire des Indes.

            Dieser letzten Edition hat man sich bei dieser Übersetzung und Auszug bedient. Die Übersetzung, vornehmlich der eigenen Worte dieses Heiligen, ist mit möglichster Treue geschehen. Das Wesentlichste und Nützlichste wird der Leser in diesem Auszug finden, der doch nicht den dritten Teil des Buches ausmachen wird. Übrigens wird es wohl nicht nötig sein, zu erinnern, dass man bei Herausgabe dergleichen Lebensbeschreibungen, nicht eben das Außerordentliche  und Sonderliche zur Nachfolge vor die Augen lege. Nicht ein Jeder ist berufen, mit Lopes nach Indien zu ziehen, und in gänzlicher Einsamkeit zu leben; aber ein jeder muss, mit ihm, Gott sein Herz geben, beten ohne Unterlass  und seinen Wandel im Himmel haben, welches das Wesentliche ist, so uns dieses Exempel lehren soll.

            Die Zeugnisse, Approbationes, und Lobreden diese Mannes alle hier anzuführen, achtet man überflüssig zu sein; es stehen deren eine ganze Menge den Editionen vorgedruckt. Die Könige in Spanien Philippus II. und III. haben mit allem Ernst die Kanonisation unseres Heiligen beim Pabst zu befördern gesucht. Nachdem aber die Vernunft angefangen, die reine und unverrückte Liebe Gottes zu bestreiten, und aus diesem Leben zu verbannen, so ist auch Lopes ins Register der Quietisten gesetzt worden; welches Verständigen schon eine Approbation (Empfehlung) sein kann. Wenigstens haben diejenigen, so insgemein mit diesem Namen beleget werden, diesen Mann hoch erhoben. Der berufene Molinos nannte ihn einen vortrefflichen, und in der geheimen Gottesgelehrtheit mit tiefer Erkenntnis begabten; einen mit Fleisch umgebenen Seraphin und vergötterten Menschen. Joh. Falconi (gleichfalls ein Spanier), gibt ihm den Titel eines großen Mannes, eines berühmten Geistlichen, der die Reinigkeit des Geistes sehr wohl begriffen, dessen Leben ein immerwährendes Gebet gewesen, und der vielmehr ein Seraphin in einem Leibe als eine Mensch wie andere, zu sein schien. Die berühmte Frau Guyon nannte die Lebensbeschreibung des Lopes vortrefflich und zählte in unter die großen Heiligen.

            „Aber es kann nichts (beschließe ich mit den Worten des französischen Herausgebers Poiret) dieses Werklein besser empfehlen, als seine eigene Materie, und die Würdigkeit seines Inhalts, welcher uns auf  der einen Seite vor Augen legt, Gott überall gegenwärtig, das alleinige vollkommene Wesen, und das höchste Gut, mit seinen allerteuersten göttlichen und geistlichen Wirkungen; und an andererseits, das allerwürdigste seiner Geschöpfe, den Menschen nämlich, begabet mit Verstand und Willen, allhier vorgestellt in dem allerbesten Zustand, worin er sich, währen der Zeit seines Lebens hier auf Erden, befinden kann; und dieses alles in einem einsamen Menschen, dessen Verstand, Herz, Neigungen, Verrichtungen, kurz, alle Kräfte und Taten seines Gemütes, durch eine gründliche und immerwährende Applikation (Beschäftigung), nur mit Gott, mit seinem Willen, mit seiner Liebe, und mit der Liebe des Nächsten beschäftigt waren. Welches einigermaßen  dienen müsste, die Menschen aus der Schlafsucht aufzuwecken, worin sie in Ansehung dieser Dinge sind, und sie zu bewegen, hierbei mit allem Ernst sich selbst zu betrachten“.

            Wahrlich die Menschen sind für Gott geschaffen; sie haben von demselben ein Herz empfangen, damit sie Ihn lieben und in Liebe  in  ihr Herz aufnehmen mögen; sie haben einen Verstand, damit sie Ihn beschauen; allerhand Gemütsneigungen und Kräfte, damit sie sich mit Ihm beschäftigen mögen…. Aber, man denket nicht daran! Die vergänglichen Nichtigkeiten nehmen alle ihre Neigungen ein, und mit denselben beschäftigen sie sich ganz; und danach, wenn es zum Sterben kommt, wird man erst seiner groben Thorheit gewahr, wenn man alle diese nichtigen Kindereien auf ewig verschwinden sieht….. Ach, was würde man dann nicht darum geben, oder tun, dass man wie unser heiligen Einsiedler, in dem Augenblick seines Todes sagen könnte: Alles ist nun klar, es ist nichts mehr verborgen; und es ist ein voller Mittag für mich!

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Der Margraf von Renty oder Monsieur v. Renty   (1611-1649)

Geboren in Beni, Niedernormandie im Jahr 1611, als Sohn des Carolo von Renty und der Magdalena von Patoureau.

Die göttliche Weisheit, welche von einem äußersten Ende bis zum anderen gewaltiglich reicht, geht umher bei den niedrigsten Ständen, und gibt sich ein in die heilige Seele einer armen, ungelehrten Bäuerin und Dienstmagd, und ihres gleichen, und verlässt sie nicht, bis sie ihnen zubringt Zepter und Königreich; wie wir es an dem Beispiel der guten Armelle gesehen. Es hat aber dieser unparteiischen Weisheit von oben, der Eingang in die Paläste noch nie so gar versperrt werden können, dass nicht auch in den höchsten Ständen, wo nicht viele, doch wenigstens etliche gefunden, die sich mit ihr standesmäßig befreundet und vermählet haben; wie Monsieur Renty, ein hochadeliger Marggraf und kluger Staatsrat des Königs in Frankreich, mit seinem Beispiel in folgender Geschichte beweisen soll.

            Das Leben dieses Mannes hat zuerst beschrieben der Pater St. Jurius, Soc.J. ein frommer, gelehrter und durch verschiedene Schriften bekannter Autor, welchem, weil er der Seelenführer des Renty gewesen, nicht nur dessen Wandel und innere Beschaffenheit besser als keinem anderen bekannt war, sondern der auch dessen Handschriften und Briefe, als unverwerfliche Urkunden  in Händen hatte. Und es war nicht zu vermuten, dass etwas in dieser Geschichte groß gemacht sein sollte; dass aber vielmehr gewiss ist, dass beide, Renty und St. Jurius ,das Beste vor uns verborgen hielten, jener aus Demut, dieser aber aus allzu großer Vorsichtigkeit.

            Es wurde diese Lebensbeschreibung zu Paris, bald nach dem Tode des Renty gedruckt, von unzählbaren Augenzeugen gelesen, und wohl 8 oder 10 mal wieder aufgelegt, bis es auch endlich in Amsterdam 1701 der Herr Poiret herausgab unter dem neuen Titel: Le Chretien Réel, & C. , aus welcher schönen Edition dieser Auszug verdeutscht ist, bei welchem man (wie bei den übrigen Lebensbeschreibungen) die Worte auch dieses Heiligen möglichst beibehalten, und selbige am Rande mit dem gewöhnlichen Zeichen  versehen hat, zumal da die eigene Schreibart desselben nett, gründlich und erbaulich ist.

            Ganz Frankreich hat dieses hell leuchtende Licht gesehen und bewundert, nämlich einen wahren Heiligen, am Königlichen Hofe, und unter dem Getümmel der Menschen, nicht weniger als in der Kirche und Kammer, ganz ergeben dem inneren Gebet, stets beschäftigt im Dienst am Nächsten zur Ehre Gottes. Man nehme dann doch auch dieses Beispiel zur  Widerlegung des scheinbaren Einwurfes, als wenn das beschauliche oder inwendige Leben (Theologia mystica) der Kirche und der Republik unnütz wäre. Denn zu verschweigen, dass eine einzige solcher Seelen, mit ihrem geheimen Gebet, die Bekehrung der Menschen und das Beste eines Landes mehr befördert, als tausend Andere, die als Säulen angesehen werden. So gefällt es auch bisweilen Gott, diese Engel, welche immerdar das Angesicht ihres himmlischen Vaters anschauen, als dienstbare Geister zugleich auszusenden, zum Dienst derer, die die Seligkeit ererben sollen. Und solche, die dergestalt in die Vereinigung mit Gott gesetzt sind, die tragen Frucht, und ihre Frucht bleibt, da jene, die so große Dinge meinen auszurichten, oft nur alles mehr beflecken und verwirren, wie jener Tag klar machen wird.

            Sowohl in der römisch-katholischen Kirche, als in der protestantischen Kirche sind schon einige Auszüge dieser Geschichte vorhanden (mit Fußnoten benannt). Wir wollen aber außerdem noch einige, wenige Zeugnisse hiermit anfügen, über welche vielleicht einige Leser nachdenken möchten. Der bekannte Bernieres Louvigni sagte: „Mr. Renty war mein vertrauter Freund. Wir hatten eine ganz genaue Verbindung des Gemüts untereinander. Es tut mir Leid, dass ich mir seine Gesellschaft so wenig zunutze gemacht habe. Als er starb, konnte ich mich nicht darüber betrüben. Im Gegenteil war meine Seele durchdrungen von einem guten Geruch, den ich nicht auszudrücken vermag, ja mit einer empfindlichen Freude und gewissen Versicherung seiner Seligkeit“. Das  Urteil des Bischofs Burner ist nicht weniger günstig, da er spricht: „Obgleich sehr viele auf Fabeln acht haben, muss man doch gestehen, das Leben des Mr. von Renty schmeckt nicht danach. Man spürt in demselben so vortreffliche Tugenden, dass man denjenigen, der sie geübt hat, billig unter die größten Vorbilder rechnen muss, welche Frankreich in diesem Jahrhundert hervorgebracht hat.“
Dieser berühmte Mann soll auch dieses Leben ins Englische übersetzt und herausgegeben haben. Joh. Heinrich Reitz sagte:“Der Modechrist wird von Renty sagen, das ist ein phantastischer Heiliger gewesen. Allein, an jenem Tage wird es sich weisen, ob er nicht ein gottgefälliger Mann und ein wahrer heiliger Christ gewesen ist. Doch das Beispiel Jesu, seines Meisters, die Schrift und fast ganz Frankreich und England stehen auf seiner Seite.  Und hier muss ich frei sagen, dass die Werke der Liebe, der Kasteiung, der Demut, der Verleugnung, und mit einem Wort, der wahren Nachfolge Christi, unter der römischen Kirche mehr getrieben werden, als bei uns Protestanten.“ Lese und urteile selbst, lieber Leser, und sehe zu, ob nicht dieses Beispiel vermögend sei, unsere Trägkeit zu beschämen, und einen jeden nach seinen Umständen zum Nacheifern anzureizen, durch die Mitwirkung der Gnade Gottes!

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Maria Guyard   o. Maria von der Menschwerdung   (1599 -1672)

Maria von der Menschwerdung ist geboren in Tour in Frankreich am 18. Okt. 1599. Ihr Vater war Florentius Guyard und die Mutter Johanna Michelet, welche aus dem Adeligen Geschlecht der Babou stammte.

Die Maria Guyard  ging ins Kloster, als ihr einziger Sohn noch jung war. Einige Jahre danach reiste sie nach Kanada, wo sie noch 33 Jahre lebte, ihres Sohnes Angesicht in dieser Zeit aber nicht wieder gesehen hat. Dieser Sohn ist zwar durch Gottes Gnade, vermittelst der Heiligen Mutter anhaltendem Gebet, von der Welt Eitelkeit zur Erkenntnis und zum Dienst Gottes berufen und hingeführt worden. Da aber die Mutter zu der Zeit schon in Kanada war, so ließ der Sohn nicht nach, die Mutter unaufhörlich mit Briefen anzulaufen, mit Begehren, dass sie ihm die Führung Gottes über ihre Seele, schriftlich, und zu seiner besonderen Erbauung mitteilen möge. Um sie dazu zu bewegen, beschwerte er sich bei ihr, dass sie ihn so jung in der Welt verlassen hätte, so dass er kaum wüßte, dass er eine Mutter gehabt hätte. Damals sei er nicht in der Lage gewesen, ihre Unterweisungen anzunehmen, und würde es demnach gar  was Hartes und Unbilliges sein, wenn sie ihn jetzt, da er eine andere Einsicht hätte, dasjenige auch noch versagen wollte, was ihn so sehr trösten und erbauen könnte. Er bezeugte, dass ihm nichts so sehr zu seiner Beförderung im geistlichen Leben dienen würde, als was er von ihr, seiner Mutter, schriftlich bekommen würde.
Diese und andere Beweggründe beantwortete die Mutter einige Jahre lang mit Stillschweigen, bis ihr endlich von ihrem Seelenführer befohlen wurde, die Bitte ihres Sohnes  zu gewähren, und ihm  die Nachricht von ihrem Leben zuzuschicken, was sie dann auch  tun musste. Sie hat die allervorsichtigsten Vorkehrungen dabei gebraucht, zu verhüten, dass es niemand, außer ihrem Sohn, je in die Hände bekommen sollte. Und siehe, dies ist der Plan dieser Lebensbeschreibung, welche durch verschiedene Briefe an ihren Sohn , worin sie sich näher und weiter erklärte, wie auch durch einige Berichte  an ihren Führer, seine Ausführlichkeit bekommen hat. Alles dieses nun miteinander, hat der Sohn (welcher ein Benediktiner, gen. Dom. Claude Marrin, wurde) nach der Mutter Tod, in Paris 1677, ans Licht gebracht unter dem Titel: La Vie de la V. Mere Marie de lìncarnation  und hat von dem Seinigen hier und da schöne Sachen hinzugetan. Er hat zwar noch andere Schriften von der Mutter herausgegeben wollen, man hat aber bis dato nichts weiter davon vernommen, nur sind ihre Briefe in Quarto zu Paris zum Vorschein gekommen.

            Ich habe Gott von Herzen gedankt, als ich dieses lange gesuchte, rare und herrliche Leben endlich in des seligen Herrn Poiret Bibliothek gefunden haben und dadurch diesen Sammlungen der Heiligen einen Auszug davon beifügen konnte. Dieser Auszug ist zwar größer als einge der vorhergehenden geworden, allein ich kann zu meiner Entschuldigung sagen, dass mir´s  nicht wenig Mühe gekostet, diesen noch so kurz zu fassen, wie man ihn hier sieht, da ich so viel Schönes habe auslassen müssen. Daher wird denjenigen, die das Buch selbst in Händen haben sollten, dieser Auszug ohne Zweifel noch zu kurz sein, worin ich ihm zustimmen kann. Da es aber sehr rar ist, und dazu in einer fremden Sprache ist, und ein Jeder auch so große Bücher nicht kaufen oder lesen kann, so wird inzwischen dieser Auszug das hungrige Gemüt und begierige Auge vergnügen können, durch gläubige Beschauung und Annehmung der  teuersten Wahrheiten Gottes, und der hohen Wunder seiner Gnade und Liebe, welche er gleichsam mit vollen Händen in dieses gereinigte Gefäß ausgeschüttet, und durch dasselbige unsern Herzen so schmackhaft von den Enden der Erden anpreisen lässt. Man findet hier überall die eigenen Worte dieser in Gott vollendeten Seele, wann je eine auf Erden gewesen ist.

            All diejenigen, so diese heilige Seele gekannt, oder ihre Lebensbeschreibung gelesen haben, geben herrliche Zeugnisse davon. Man kann davon das ganze 19. Kapitel im IV. Buch ihres Lebens nachsehen. Ihr Führer in Kanada, Hieronymus Lallemand, sagte:“  Der Grund ihrer Vereinigung mit Gott ist unverrückt, und sowohl ihr Leben als auch ihr Tod heilig und schön gewesen. Ihr Gedächtnis wird allezeit im Segen bleiben. Ich bin, in allem und überall ihr unnützer Dienstknecht gewesen, und habe mich begnügt, nur einen Zuschauer abzugeben der Werke des Hl. Geistes in ihr, ohne mich (da ich sie in so guter Hand sah) in etwas  einzumengen, aus Furcht, dass ich nicht alles beflecken möge.“

            Der liebe Berniers hielt sie,  neben andern, für eine Theresa der neuen Welt, und ob er wohl mit so vielen heiligen Seelen Gemeinschaft gehabt, so bekannte er dennoch, dass er nimmer eine Person gesehen, die zu einem solchen Grad erhaben gewesen, wie die Mutter von der Menschwerdung. An einem anderen Ort nennt er sie eine große und gründlich tugendhafte Seele, die eine tiefe Demut und eine überschwengliche Liebe hätte, und die wirkliche Vereinigung mit Gott nimmer verlöre, der man den Namen hätte geben können:“Mein Wille ist in ihr.“Von dem Leben dieser Heiligen sagt Poiret:“Es sind in demselben unglaubliche, aber ganz göttliche Beispiele der Absterbung und des allererhabensten geistlichen und mystischen Lebens, wie auch des wirksamen Lebens zum Heil der Seelen zu finden, von anderen Dingen zu schweigen.“ 

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